Euer Smart TV zeigt plötzlich Fehlermeldungen beim Starten von Netflix, Disney+ oder anderen Streaming-Apps? Die Benutzeroberfläche wirkt träge, und manche Funktionen reagieren einfach nicht mehr? Bevor ihr den Kundendienst kontaktiert oder über einen Neukauf nachdenkt, solltet ihr einen Blick auf die Firmware eures Fernsehers werfen. Denn veraltete Software ist einer der häufigsten Gründe für diese Probleme – und gleichzeitig einer der am meisten unterschätzten Sicherheitsrisiken im Smart Home.
Warum Firmware-Updates bei Smart TVs oft übersehen werden
Im Gegensatz zu Smartphones, die uns penetrant mit Update-Benachrichtigungen bombardieren, verhalten sich Smart TVs erstaunlich zurückhaltend. Der Grund dafür ist simpel: Viele Hersteller liefern ihre Geräte so aus, dass automatische Updates nicht verpflichtend sind. Das klingt zunächst absurd, hat aber einen nachvollziehbaren Hintergrund. Die Hersteller wollen vermeiden, dass Updates während der Nutzung im Hintergrund laufen und die Streaming-Qualität beeinträchtigen. Das Problem dabei: Die meisten Nutzer wissen gar nicht, dass sie diese Funktion manuell aktivieren müssen.
WebOS-Fernseher von LG können Nutzer zwar auf wichtige Firmware-Updates aufmerksam machen, erzwungen werden diese aber nicht. Nutzer können das Einspielen von Sicherheitsupdates immer weiter aufschieben. Das Ergebnis? Fernseher laufen monatelang oder sogar jahrelang mit veralteter Software, während sich Sicherheitslücken auftun und die Kompatibilität mit modernen Streaming-Diensten schwindet. Netflix, Amazon Prime Video und Co. entwickeln ihre Apps ständig weiter – wenn euer TV mit einer Firmware aus dem Vorjahr arbeitet, sind Konflikte praktisch vorprogrammiert.
Die unterschätzten Risiken veralteter TV-Firmware
Sicherheitslücken als Einfallstor für Angreifer
Smart TVs sind vollwertige Computer mit Internetverbindung. Sie sammeln Daten über euer Nutzungsverhalten, speichern Login-Informationen für verschiedene Dienste und sind oft mit eurem WLAN-Netzwerk verbunden – und damit potenziell auch mit anderen Geräten in eurem Haushalt. Bekannte Schwachstellen in veralteter Firmware können von Cyberkriminellen ausgenutzt werden, um auf persönliche Daten zuzugreifen oder den Fernseher als Teil eines Botnetzes zu missbrauchen.
Im März 2023 entdeckte das Sicherheitsunternehmen Bitdefender kritische Sicherheitslücken in LG WebOS-Fernsehern der Versionen 4 bis 7, die es Angreifern ermöglichten, Root-Zugriff auf die Geräte zu erlangen. Experten warnen generell, dass die größte Gefahr von einem Remote-Hacking droht, der es Angreifern ermöglicht, Funktionen des Fernsehers zu kontrollieren, wie etwa das Mikrofon oder die Lautstärke. Die Hersteller reagierten mit Firmware-Updates – doch nur die Nutzer, die diese auch installierten, waren geschützt.
Performance-Probleme und App-Abstürze
Habt ihr euch schon mal gefragt, warum eure YouTube-App auf dem Smart TV plötzlich einfriert oder die Menüführung merklich langsamer geworden ist? Oft liegt es an der mangelnden Optimierung zwischen alter Firmware und neuen App-Versionen. Streaming-Dienste aktualisieren ihre Apps regelmäßig, erwarten dabei aber, dass auch das Betriebssystem des Fernsehers auf einem aktuellen Stand ist. Besonders ärgerlich wird es, wenn bestimmte Apps gar nicht mehr starten oder wichtige Features wie 4K-Streaming, HDR oder Dolby Atmos plötzlich nicht mehr funktionieren. In vielen Fällen behebt ein simples Firmware-Update diese Probleme innerhalb von Minuten.
So überprüft ihr die Firmware eures Smart TVs
Der Weg zu den Update-Einstellungen unterscheidet sich je nach Hersteller, folgt aber meist einem ähnlichen Muster. Bei den meisten Smart TVs findet ihr die entsprechende Option unter Einstellungen → Allgemein → Info zu diesem TV oder Software-Update. Hier sind die spezifischen Pfade für die gängigsten Marken:
- Samsung: Einstellungen → Support → Software-Update → Jetzt aktualisieren
- LG: Einstellungen → Alle Einstellungen → Allgemein → Info zu diesem TV → Nach Updates suchen
- Sony: Einstellungen → Geräteinformationen → Systemaktualisierung
- Philips: Einstellungen → Software aktualisieren → Jetzt nach Updates suchen
- Hisense: Einstellungen → Support → Systemaktualisierung
Die aktuelle Firmware-Version wird euch in diesem Menü angezeigt. Notiert euch diese Nummer und vergleicht sie mit der neuesten verfügbaren Version auf der Herstellerwebsite, falls ihr sichergehen wollt.

Automatische Updates richtig konfigurieren
Nachdem ihr manuell nach Updates gesucht und diese installiert habt, solltet ihr unbedingt die automatische Update-Funktion aktivieren. Die Option findet ihr meist direkt im gleichen Menü. Bei Samsung heißt sie beispielsweise Automatisches Update, bei LG Automatische Updates zulassen. Ein wichtiger Tipp: Aktiviert, sofern verfügbar, auch die Option für Updates im Standby-Modus. So lädt und installiert der Fernseher neue Firmware nachts, wenn ihr ihn nicht nutzt. Das verhindert, dass Updates die Performance während eurer Lieblingsserie beeinträchtigen.
Was tun, wenn der Hersteller keine Updates mehr liefert?
Die unbequeme Wahrheit: Hersteller stellen nach einigen Jahren den Support für ältere Modelle ein. Kritiker bemängeln, dass kein Unternehmen verbindliche Angaben dazu macht, wie lange seine Produkte mit Sicherheits-Updates versehen werden. Seit Januar 2022 ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Anbieter mindestens innerhalb der Gewährleistungszeit notwendige Aktualisierungen bereitstellen müssen. In der Praxis variiert die Update-Dauer jedoch stark zwischen Herstellern und Produktkategorien. In diesem Fall habt ihr mehrere Optionen: Den Kauf eines externen Streaming-Players wie Amazon Fire TV Stick, Google Chromecast oder Apple TV – diese erhalten deutlich länger Updates und kosten einen Bruchteil eines neuen Fernsehers. Die Nutzung einer Spielekonsole wie PlayStation oder Xbox als Smart TV-Ersatz mit aktuellen Apps bietet sich ebenfalls an. Bei gravierenden Sicherheitsbedenken könnt ihr die Smart-Funktionen komplett deaktivieren und nur noch externe Geräte nutzen.
Praktische Tipps für reibungslose Updates
Unterbrecht den Update-Vorgang niemals durch Ausschalten des Fernsehers oder Trennen vom Stromnetz. Plant für Updates etwa 15 bis 30 Minuten Zeit ein, in denen ihr den Fernseher ungestört laufen lassen könnt. Firmware-Updates können manchmal auch Probleme verursachen statt sie zu beheben. Falls eine Aktualisierung die Funktion eures Gerätes beeinträchtigt, solltet ihr den Hersteller kontaktieren. Nach einem größeren Firmware-Update kann es sinnvoll sein, den Smart TV einmal komplett vom Stromnetz zu trennen und 30 Sekunden zu warten, bevor ihr ihn wieder einschaltet. Dieser sogenannte Power-Cycle hilft, den Arbeitsspeicher zu leeren und mögliche Probleme beim ersten Start nach dem Update zu vermeiden.
Regelmäßige Wartung zahlt sich aus
Macht es euch zur Gewohnheit, etwa alle zwei Monate manuell nach Updates zu suchen – selbst wenn die automatische Funktion aktiviert ist. Manchmal werden kritische Sicherheits-Patches als optionale Updates bereitgestellt, die nicht automatisch installiert werden. Ein kurzer Blick ins Update-Menü dauert keine Minute und kann euch viel Ärger ersparen. Die gute Nachricht: Mit aktivierten automatischen Updates und einem gelegentlichen manuellen Check läuft euer Smart TV nicht nur sicherer und stabiler, sondern ihr profitiert auch von neuen Features, die Hersteller nachträglich hinzufügen. Manche Updates bringen verbesserte Bildeinstellungen, zusätzliche Streaming-Apps oder optimierte Sprachsteuerung mit sich – kostenlose Upgrades, die ihr sonst verpassen würdet.
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